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Selbsterhaltung
Veröffentlicht am: November 13 2011

Wie erhalte ich mich selbst?

Gedanken zum Themenbereich psychische Gesundheit und mein Beitrag zur Blogparade der Soulsisters

Meine Gedanken sind weiblich konnotiert. Ich bin Frau, ein weiblicher Mensch mit subjektiven Lebenserfahrungen.

Im 21. Jahrhundert frage ich mich, was ich als nachdenkliche Frau wirkungsvoll für mich und die Menschen in meiner Umgebung tun kann. Ich überlege, wie ich es verstanden habe, in den vergangenen Lebensjahrzehnten stets eigenverantwortlich für mein persönliches Seelenheil zu sorgen. Oder glaube ich lediglich daran und kann ich überhaupt etwas zum Wohle der menschlichen Gesellschaft beitragen?

Ja – ich bin eine nachdenkliche Frau, die gerne ihre komplizierten und mehrfach verschachtelten Gedanken verfolgt. Und dann verfolgen diese Gedanken mich selbst, bereiten mir schlaflose Nächte und stürzen mich in Sinnkrisen.

Auch ich ergriff und ergreife immer noch die Flucht in weibliche Pflichterfüllung, wie putzen, kochen, einkaufen gehen usw. Doch all diese denkbaren Arbeiten, welche weibliche Rollenkonzepte vorgeben, trugen und tragen, wenn überhaupt – nur ganz kurzfristig – zu meinem seelischen Wohlbefinden bei.

 

Ich musste und muss mich stets intensiv selbst mit mir auseinander setzen.

 

Es gab auch in meinem Lebenslauf Jahre von beurteilenden Fremdbestimmungen. Menschen, die es immer vermeintlich gut mit mir meinten, wollten mich in bestimmte Richtungen ziehen. Doch meine depressiven Phasen wiesen mir vehement den richtigen Weg, nämlich dorthin, wo ich selbst hin wollte. Hinweise für meinen eigenen richtigen Weg entsprangen und entspringen aus meinem tiefsten Inneren.

 

Ich folge meiner Intuition und ich höre auf meine innere Stimme.

 

Zur praktischen Erläuterung will ich nun einen exemplarischen Fall aus meinem Berufsleben darstellen:

Sehr gerne und engagiert arbeitete ich als selbständige Trainerin in der Erwachsenenbildung. Ich fühlte mich dazu berufen, überwiegend fremde Frauen, vereinzelt auch unbekannte Männer, anschaulich in die Geheimnisse der Doppelten Buchhaltung einzuweihen.

Ich unterrichtete mit Herz, Hirn und Hand. Gleichzeitig bin ich nachhaltig erfolgreich gewesen. Ich empfand meine berufliche Tätigkeit befreiend, denn ich konnte mich trotz aller Mühen und Plagen persönlich entwickeln.

Wer bin ich denn damals vor etwa dreißig Jahren gewesen? Wie erinnere ich mich an mich selbst? Was waren meine persönlichen Ziele und echten Bedürfnisse?

Ich lebte als junge Frau, verheiratet, mit einem Kind, dank meiner Prägungen vom Elternhaus mit wenig Bewusstsein für mich selbst und einem anerzogenen Minderwertigkeitskomplex.

Ich wusste jedoch ganz genau, was ich erreichen wollte. Ich hatte die ehrliche Absicht, meinen Selbstwert mithilfe meiner Berufstätigkeit zu finden. Ja – zu finden, denn ich selbst empfand mich als äußerst mangelhaft, ohne eigenen Wert, im Vergleich zu meinem Ehemann.

Unterschiedliche Gefühle der Wertlosigkeit und wiederkehrende Empfindungen der eigenen Mangelhaftigkeit ließen mich innerlich massiv aggressiv werden und genau diese Aggressionen trieben mich an, meine selbstbestimmten Ziele zu erreichen.

Ich wollte es meiner Umgebung zeigen, anschaulich darstellen, was ich alles machen konnte. Ich stülpte die Anerkennung von Außen, wie einen schützend wärmenden Mantel über mich und arbeitete in Abendkursen, am Wochenende, an Vormittagen und Nachmittagen – nicht ununterbrochen, doch viele arbeitsreiche Wochenstunden kamen jeden Monat zusammen.

Meine Honorarrechnungen verhalfen mir, mein Gefühl für den eigenen Wert zumindest als Außenwirkung zu installieren. Mein Beitrag zu unserem finanziellen Wohlergehen war beträchtlich und so konnte meine kleine Familie sehr häufig auf Urlaub fahren. Und wir fuhren Ski in Schladming. Ich stürzte leicht und verletzte mich schwer.

Alle Bänder in meinem linken Knie waren gerissen und ich musste operiert werden. Ich lag zehn Tage lang im Krankenhausbett und blickte auf die Skipiste am gegenüberliegenden Hang. Ein starkes Gefühl der Gewissheit wies mich an und ich ermutigte mich dank meiner inneren Stimme, mein zukünftiges Leben zu verändern.

Es war meine Intuition, die mir solch einen Auftrag gab. Und so beschloss ich nach der Genesung, für Abendkurse im Institut nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Stattdessen wollte ich einen Zeichenkurs in der Volkshochschule besuchen.

Noch im Krankenhaus zeichnete ich meine ersten Skizzen. Ich arbeitete weitere zehn Jahre in der Erwachsenenbildung, machte Karriere und malte Bilder. Aquarelle, Akte und Tuschezeichnungen hingen an einigen Ausstellungswänden und ich fühlte mich zunehmend wohler, denn mit meinen Bildern schuf ich etwas ganz Neues. Solche Bilder sind in dieser Art und Weise noch nie da gewesen.

Ich lernte während meiner Auseinandersetzung mit der Kunst wertvolle Menschen kennen, welche in ihrem kreativen Schaffen stimmig lebten. Und in der Folge konnte mein Selbstwert langsam und leise beginnen von innen heraus zu wachsen.

Was will ich mit diesem Beispiel verständlich machen? An welche Lebensentwürfe schritt ich dann tatkräftig heran? Welche Träume verhalfen und verhelfen mir in der Realität meinen Selbstwert zu stärken?

Ich glaube daran, dass uns Zufälle, Unfälle, Krankheiten und Schicksalsschläge wirkungsvolle Hinweise geben können, woraus wir lernen unser alltägliches Leben zu verändern. Meine Auseinandersetzungen mit der Kunst eröffneten mir sinnliche Erfahrungen, geistige Welthorizonte und verfeinerte Wahrnehmungsweisen.

Ich erinnerte mich an meine Sehnsüchte und Bedürfnisse aus meiner Kindheit. Es gelang mir mit Hilfe meiner ureigenen Beharrlichkeit und Anstrengungsbereitschaft mich selbst zu finden.

Aus meinem eigenen Scheitern und mit Hilfe von Missgeschicken lernte ich, mich den Menschen in meiner Umgebung respektvoll und wertschätzend anzunähern. Und siehe da, immer mehr Menschen in meiner Umgebung respektierten und respektieren nun auch mich.

Ich erkenne, wie ich in Verbindung mit meinen nächsten Menschen, mit meiner Umgebung, mit der menschlichen Gesellschaft und mit den Dingen in der Welt achtsam und liebevoll – einfach da sein kann.

Natürlich besteht die Gefahr, dass ich das Empfinden für meinen eigenen Wert wieder verlieren kann und meine Selbsterhaltung will jeden Tag aufs Neue praktiziert werden.

Doch ich selbst erkenne seit damals ein wenig besser dieses Gefühl, wie es mich innerlich wärmt und stärkt, wenn ich empfinde, dass ich auf meinem eigenen Weg ein paar Schritte weiter gekommen bin.

Und ich komme weiter, wohin? Weiter, um mich selbst zu entdecken und mein Gefühl für den eigenen Wert zu spüren. Und ich erlebe Glücksmomente im Augenblick und ich verstehe es immer öfter dankbar und freudvoll zu leben.

Wie unterscheide ich mein Gefühl für den eigenen Wert zum menschlichen Egoismus? Sehr häufig wurde und werde ich von Menschen in meiner Umgebung zu Recht gewiesen, wenn ich als Frau an mich selbst denke.

Egoistisch sei das, so lautet die Resonanz der mitmenschlichen Spiegelungen. Für mich handeln egoistische Menschen ohne Bedacht und verfolgen ihre Ziele ohne Rücksicht auf ihre Mitmenschen.

Kann eine nachdenkliche Frau überhaupt egoistisch sein? Zerstörende Selbstzweifel und innere Ängste trieben mich sehr häufig in depressive Phasen. Mein Empfinden für den eigenen Wert wurde von mir selbst ganz langsam und behutsam entdeckt.

Ich empfand und empfinde Bewertungen, Zumutungen und Anforderungen, die ich nicht selbst bedenken und prüfen kann, als ungerecht. So werde ich immer noch aggressiv und meine Wut treibt mich an.

Ich wehre mich gegen Übergriffe von Mitmenschen, die mich nicht als gleichwertig respektieren und entdecke dann später, dass auch ich nicht frei von Bewertungen, Zumutungen und Anforderungen an andere Menschen bin.

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